Verzahnung von Kommunalrechtlicher Theorie und Praxis

Im Februar erhielten 35 Verwaltungsnachwuchskräfte im Rahmen gemeinsamer Projekte der Hochschule für öffentliche Verwaltung (HöV) und der Zentralen Verwaltungsschule (ZVS) die Möglichkeit, bereits erarbeitete theoretische Kenntnisse aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

In den von Kommunalrechtsdozent Manuel Minor organisierten Veranstaltungen bekamen Studierende des Fachstudiums II und Abschlusslehrgangsteilnehmer*innen aus dem Wahlfach „Sitzungsmanagement“ sowohl interessante Einblicke in die Arbeitswelt eines Bürgermeisters als auch in die elektronische Gremienarbeit.

Am ersten Projekttag konnten Direktor Klaus Weisbrod und Dozent Manuel Minor den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Loreley – und zugleich ehemaligen Studenten an der HöV – Mike Weiland in Mayen begrüßen. Bei der hybrid durchgeführten Veranstaltung in der Aula standen dann sowohl Ausschnitte über die tagtäglichen Aufgaben eines Bürgermeisters einer Verbandsgemeinde, aber selbstverständlich auch die besonderen Projekte und Herausforderungen der Verbandsgemeinde Loreley mit Sitz in Sankt Goarshausen im Blickpunkt. Dabei gab Mike Weiland auch sehr persönliche Einblicke in seine Erfahrungen bei der Führung von Gremiensitzungen und die Art und Schwerpunkte seiner Amtsführung während der Pandemie.

Neben seinem beruflichen Werdegang, den Weiland voranstellte, stand er anschließend auch für Fragen zur Verfügung und konnte dabei gerade bei den Themen „Sitzungsmanagement“ und „Kommunalrecht“ besonders auf eigene Erfahrungen als langjähriges Rats- und Ausschussmitglied sowie als Bürgermeister zurückgreifen, so dass auch Unterschiede zwischen theoretischer und praktischer Verwaltungspraxis herausgestellt wurden.

Dabei war es auch interessant zu erfahren, wie ein Bürgermeister als Chef der Verwaltung die eigenen Mitarbeiter*innen ‚bei Laune hält‘ und wie wichtig es ist, ausreichend Zeit und Arbeit in Mitarbeitergespräche und die Organisation der Verwaltung, die Personalführung und die Motivation zu stecken. „Der Chef einer Verwaltung ist nur so gut, wie das gesamte Team hinter einem, das einem den Rücken freihält“, so Mike Weiland. Daher gelte es, die Verwaltung neben den vielen Projekten und Aufgaben nie aus den Augen zu verlieren, modern aufzustellen und die Digitalisierung voranzutreiben. Bürgernähe sei dabei selbstverständlich ebenfalls ein sehr wichtiger Baustein.

„Es war ein wirklich interessanter und informativer Besuch an der Hochschule in Mayen. Hier wird seit Jahrzehnten eine tolle und wichtige Arbeit geleistet und die Standards für die Ausbildung werden stets verbessert und ausgebaut. Viele junge Menschen werden hier für Tätigkeiten in der öffentlichen Verwaltung vorbereitet und sorgen dadurch auch für ein besseres Zusammenleben in unserer Gesellschaft“, so Mike Weiland abschließend. Umso größere Freude habe es ihm gemacht, dass er durch die Teilnahme an diesem Projekt der Hochschule ‚etwas wiedergeben konnte‘, so der Bürgermeister.

Zwei Tage später waren die Studierenden und Abschlusslehrgangsteilnehmer/innen dann im Rahmen eines Online-Meetings virtuell zu Gast beim Rhein-Lahn-Kreis im Kreishaus in Bad Ems. Büroleiter Thorsten Butzke und Timm Jörnhs vom Sitzungsdienst der Bad Emser Behörde demonstrierten anhand eines fiktiven Falles die Funktionalität des dort seit gut zwei Jahren eingesetzten Sitzungsmanagement-Systems und gaben interessante Einblicke in die digitale Ratsarbeit.

Quasi im Echtbetrieb stellten sie die verschiedenen Etappen von der „ersten Idee“ bis zum Erscheinen eines Beratungsgegenstandes auf der digitalen Sitzungseinladung dar. Dabei gingen sie auch detailliert auf rechtliche und technische Hürden sowie verschiedene Arbeitsprozesse ein. In der Folge wurden dann auch kurz das öffentliche Bürgerinformationssystem und die Ratsinfo-App für Gremienmitglieder in der Anwendung präsentiert.

Im Rahmen der abschließenden Fragerunde hob Büroleiter Thorsten Butzke hervor, dass sowohl aus Sicht der Ratsmitglieder als auch der Verwaltungsmitarbeiter Benutzerfreundlichkeit und Effektivität Grundvoraussetzung für den erfolgreichen und dauerhaften Einsatz solcher Anwendungen sei.

Timm Jörnhs erläuterte, dass sich der Arbeitsaufwand für Sitzungseinberufungen durch die neuen technischen Möglichkeiten und die optimierten internen Arbeitsprozesse deutlich verringert habe. Auch habe man von den Kreistagsmitgliedern des Rhein-Lahn-Kreises – die bei der Beschaffung ggf. benötigter Laptops vom Kreis finanziell unterstützt werden – bislang ausschließlich positive Rückmeldungen hinsichtlich der digitalen Ratsarbeit erhalten.

Der die beiden Projekte seitens der HöV/ZVS betreuende Dozent Manuel Minor dankte allen Beteiligten herzlich für ihr großes Engagement, wodurch die Verzahnung von kommunalrechtlicher Theorie und Praxis lebhaft und äußerst interessant dargestellt werden konnte.