Die gute alte Papierakte hat bald ausgedient

Hochschulforum: Studierende wurden auf die elektronische Verwaltung vorbereitet - Theorie und Praxis

200 Studierende der HöV Rheinland-Pfalz haben sich kürzlich zwei Tage lang intensiv mit Fragen rund um die elektronische Verwaltung (E-Government) beschäftigt. Randolf Stich, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Innenministerium und E-Government-Beauftragter der Landesregierung, gab den Startschuss für das Hochschulforum.

"So wie die Bürger über das Internet inzwischen einkaufen, möchten sie auch Verwaltungsleistungen abrufen können", sagte Stich. "Die Umstellung auf die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger und die entsprechende Veränderung der internen Prozesse stellen die Verwaltungen vor große Herausforderungen."

Hochschuldirektor Klaus Weisbrod ergänzte: "Das Transparenzgesetz und das in der Entwicklung befindliche E-Government-Gesetz stellten bedeutsame Weichen für die moderne, transparente und effiziente Landes- und Kommunalverwaltung in Rheinland-Pfalz." Daher sei es wichtig, dass die angehenden Verwaltungsbeamtinnen und -beamte am Puls der Zeit für die Praxis fit gemacht werden. "Und dieser Puls schlägt im Megabit-Takt", unterstrich Weisbrod. Die Papierakte werde nach und nach durch die digitale Akte abgelöst. Und auch der Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern werde zunehmend digital. Die Bürger kommunizierten immer häufiger auf digitalem Weg mit der Verwaltung.

In den durchgeführten Workshops hatten die Studierenden die Möglichkeit, sich wichtige Informationen zu dem komplexen Thema "Elektronische Verwaltung" zu erarbeiten. So wurden z. B. die rechtlichen Schwerpunkte der Digitalisierung, die Optimierung der Schriftgutverwaltung sowie die Grundlagen einer Umsetzungsstrategie thematisiert. Ein weiterer Schwerpunkt war zudem das Landestransparenzgesetz Rheinland-Pfalz. Dieses Gesetz soll sicherstellen, dass die Bürgerinnen und Bürger schnell und umfassend Einblicke in Vorgänge der Verwaltung erhalten.

Erstmals stand im Rahmen des diesjährigen Hochschulforums ein Workshop "Zukunftswerkstatt Rheinland-Pfalz" mit auf der Agenda. Neben Grundsätzlichem zur Durchführung von Großgruppeninterventionen führten Studierende in diesem Rahmen eine exemplarische Veranstaltung unter dem Stichwort "Digitale Agenda" durch und entwickelten eigene Ansätze für mögliche Digitalisierungsvorhaben in der öffentlichen Verwaltung.

Neben Dozentinnen und Dozenten der HöV brachten Experten aus der Praxis ihr Wissen und ihre Erfahrungen in die Workshops ein. So leitete der Präsident des Verwaltungsgerichts Koblenz, Dr. Ralf Geis, einen Workshop zum Ablauf des Widerspruchsverfahrens in elektronischer Form. Herr Dr. Heimes vom Landeshauptarchiv Koblenz erarbeitete mit den Studierenden Grundlagen und Änderungen hinsichtlich der Schriftgutverwaltung. Dass elektronische Verwaltung nur unter Beteiligung der Mitarbeiterschaft funktionieren kann, wurde im Workshop "Change-Management" unter Leitung von Stefan Knöll, Stadtverwaltung Koblenz, deutlich. "Bei solch weitreichenden Veränderungen in öffentlichen Verwaltungen müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgenommen werden", bestätigte Weisbrod aus seiner eigenen Tätigkeit in der Landesverwaltung.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine von den Studierenden in der Mayener Innenstadt durchgeführte Bürgerumfrage zur Einführung der Elektronischen Verwaltung.